Februar 2009
Monatliches Archiv
27. Feb. 2009 um 11:02 Uhr
Demo fällt aufgrund der Spielabsage aus
Das für Samstag geplante Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg fällt aus. Der Rasen im GAZI-Stadion ist noch immer schneebedeckt und teilweise gefroren, weswegen die Platzkommission das Spiel am heutigen Freitag abgesagt hat
Auch die geplante Demo gegen Stuttgarts Sportpolitik wird somit ausfallen. Ohne ein Kickers-Heimspiel am selben Tag, würde eine Demonstration deutlich weniger Teilnehmer bedeuten. Dafür ist das Thema aber zu wichtig.
Die Demonstration wird auf jeden Fall nachgeholt. Ein neuer Termin wird demnächst bekannt gegeben.
22. Feb. 2009 um 11:10 Uhr
“Unverständlich, dass die Stadtväter in Stuttgart unser Stadion links liegen lassen”
Von Karsten Pflieger, Kornwestheim
Also ehrlich gesagt so ganz genau erinnere ich mich nicht mehr an mein erstes mal im Kickers Stadion. Jedenfalls saß ich noch mit meinem Vater auf der alten Holztribüne, die 1975 abgerissen wurde. Als kleiner, schwäbischer Junge habe ich jedoch nicht verstanden, warum so eine schöne, funktionale Tribüne abgerissen werden soll. Ich musste dann allerdings eingestehen, dass die neue Betontribüne komfortabler war. Auf der Tribüne bin ich dann jedoch immer nur gesessen, wenn ich mit meinem Nachbarn und seinem Sohn ins Stadion ging. Er hat uns beiden Jungs damals auch eine Kickers Fahne und eine Halskette mit einem Kickersanhänger geschenkt. Die Kette mit Anhänger habe ich die ersten Monate Tag und Nacht getragen. Später nur noch, wenn ich zu Kickersspielen ging. Die Fahne nehme ich heute noch regelmäßig mit ins Stadion.
Wenn wir mit meinem Vater im Waldau-Stadion waren, sind wir Kinder immer auf der Gegengeraden 10 Meter rechts von der Mittellinie in der ersten Reihe gestanden. Wir Jungs wurden gerne nach vorne gelassen, weil die „Großen“ leicht über uns hinweg schauen konnten. Mein Dad stand immer einige Stufen weiter oben. Wenn die Kickers Tore geschossen haben, sind wir die Stufen zu meinem Vater hochgerannt und haben uns freudig umarmt und gejubelt. Ich selbst spielte damals als Libero in der Sala-Jugendmannschaft in Kornwestheim. Daher waren Dieter Dollmann und Franz Beckenbauer meine großen Vorbilder.
Unvergessen sind für mich die Auswärtsspiele in Ulm, wenn wir zusammen mit der dortigen Verwandtschaft ins Stadion gepilgert sind. Zum einen war natürlich die große Frage, welcher Verwandtschaftsteil den Abend glücklicher verbringen konnte. Zum anderen hat man in Ulm die gleichen Leute getroffen, die auch in Degerloch regelmäßig auf den Stehplätzen standen.
Das größte und beeindruckendste, was ich mit den Kickers erlebt habe, war zweifellos das Pokalendspiel in Berlin. Schon die Fahrt mit dem Auto durch die damalige DDR, verbunden mit ewigen Wartezeiten an der Grenze und den Radarkontrollen an jedem 60er Schild war ein Erlebnis. In Berlin waren dann alle günstigen Hotels ausgebucht. Teure Hotels konnten und wollten wir Grundwehrpflichtigen und Abiturienten nicht finanzieren. Glücklicherweise haben wir bei der Mitschlafzentrale, einer Art Mitfahrzentrale für Übernachtungen, das letzte freie Bett ergattert. Letztendlich konnten wir alle 9 Freunde in der 2-Zimmerwohnung des freundlichen Vermieters unterbringen. Zum Spiel selbst sind wir dann mit unserem selbstgenähten 2,50 Meter langen Banner gezogen. „KICKERS - Pokalsieger ‘87“ stand drauf. Für den total unwahrscheinlichen Fall, dass die Blauen das Spiel gegen den HSV verlieren könnten, hatten wir vorsichtshalber noch eine 8 dabei. Und einige Sicherheitsnadeln. Das Spiel selbst war ein unbeschreibliches Emotionserlebnis. Unglaublich. Wir saßen in einem gemischten Block aus HSV und Kickers-Fans. Es waren wohl auch ein paar St. Pauli-Fans darunter, die nicht wussten ob sie für Hamburg oder gegen den HSV sein sollten. Jedenfalls war alles friedlich, lustig, aufregend und spannend. Nach dem Spiel sind wir mit unserem Banner durch die Stadt gezogen. Jetzt stand „KICKERS – Pokalsieger ‘88“ drauf. Wir haben viel Sympathie, Zustimmung und Anerkennung zu unserem Verein erlebt. Einfach schön.
Und heute? Der Sohn des damaligen Nachbarn muß nach wie vor ein überzeugter Kickers-Fan sein. Zumindest habe ich seinen Namen bei den Pixel-Käufern von „Believe in blue“ gefunden.
Heute steht mein 10-jähriger Sohn Florian ganz vorne in der ersten Reihe im „GAZI-Stadion auf der Waldau“. 10 Meter rechts von der Mittellinie (der heutige „B-Block“) und ich einige Stufen weiter oben. Wenn die Kickers ein Tor schießen kommt er zu mir hochgerannt und wir jubeln ausgiebig. Seine Vorbilder heißen Parmak, Gambo (bis vor kurzem auch Yelldell) und Schweinsteiger. In der zweiten Liga fiebert er für den SC Freiburg, weil Robin Dutt dort Trainer wurde. Kürzlich waren wir beim Derby das mit 4:4 endete und Florian erlebte auch was für Prolos bei den Roten Fan sind. Seither freut er sich noch mehr, wenn die Erstligamannschaft der Cannstatter verliert. Zumindest dieser Teil der Erziehung ist mir sehr gut gelungen!
Mir ist es unverständlich, dass die Stadtväter in Stuttgart unser Stadion links liegen lassen und Millionen für wenige Prestigeprojekte verjubeln, statt langfristig auf Tradition zu setzen. Die Kickers sind der sympathischte aller (Stuttgarter) Fußball-Bundesligavereine. Weltweit setzt man immer mehr auf reine Fußballstadien. Zuschauer möchten ganz nah dran am Geschehen sein. Das Stuttgarter GAZI-Stadion unterm Fernsehturm bietet das schon immer. Da sollten die Stadträte Ihre Prioritäten doch wirklich nochmal überdenken und die notwendigen Investitionen auf der Waldau dringend beschließen!
19. Feb. 2009 um 22:16 Uhr
Paule statt Popcorn
In der “Erlebnis Fußball” Ausgabe 42 kam ein dreiseitiger Bericht über unsere Initiative. Den Bericht gibt es inklusive Bilder hier zum Download



Wir bedanken uns recht herzlich bei “Erlebnis Fußball” für die Zusammenarbeit und möchten nicht zuletzt aufgrund der Berichterstattung über www.pro-waldaustadion.de allen Kickers-Fans die Erlebnis Fußball empfehlen.
Link: www.erlebnis-fussball.de

17. Feb. 2009 um 19:49 Uhr
Es gab einen, dem hat man ein Pils versprochen, wenn er ein Tor schießt
Von Susanne Stauch, Oldenburg
Irgendwann im Jahre 1975 gab es auf Degerlochs Höhen ein Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Eigentlich wollte ich gar nicht mit, aber mein Dad schnappte sich das WM-Buch 1974 und erzählte mir, daß beim FCK der Ronnie Hellström und der Roland Sandberg spielen. Da war ich natürlich Feuer und Flamme: 2 „Berühmtheiten“ in Degerloch, da musste ich mit.
Wie das Spiel ausging, weiß ich leider nicht mehr, das war auch eher zweitrangig. In der Halbzeitpause schnappte ich stolz mein Buch und ging mit klopfendem Herzen in die Kabine, die ja damals noch neben dem Vereinsheim auf dem heutigen Parkplatz stand. Den Ronnie Hellström hab ich mir als erstes geschnappt und der meinte dann „nach dem Spiel bitte“ – ok, das war ja schonmal klasse. Nach dem Spiel habe ich mir dann die Unterschriften geholt und war stolz wie Oskar, als mir der Ronnie auch noch auf die Schulter klopfte. Sauer war ich Wochen später auf meine Mutter, die meinen „Ronnie-Mantel“ gewaschen hat. Die Blauen haben mich nicht sonderlich interessiert. J
Trotzdem war ich vom Fussball infiziert und ging auch das nächste mal wieder mit. Das schönste für uns „Kleinen“ war, daß wir direkt am Spielfeldrand standen, das Geschehen genau im Blickfeld hatten und wenn der Linienrichter was falsch machte, ihn anspucken konnten. Ja, ich gebe es zu: ich hab angefangen und die anderen haben es dann nachgemacht. Aber auch sonst war die Gegengerade klasse. Wie oft stand ich die kommenden Jahre “soichnass” im Block. Hauptsache ich war nah dran - das Stadion: einfach ein “familiäres” Schmuckkästle…
Erinnern kann ich mich in der Zeit sehr gut an Dieter Dollmann, der wie ein Weberknecht über den Platz rannte (diesen Namen hatte er auch inne bei uns) – ich glaube, der war mit 3 Schritten überm Platz. J An Dieter Renner und Rolf Gerstenlauer erinnere ich mich auch noch sehr gut. Es war eine tolle Zeit.
Nach dem Spiel saß man dann im Vereinsheim und wartete auf die Spieler, die sich dann auch meistens einfanden. Auch der ADM war oft dabei und es wurde viel gequatscht und gefachsimpelt. Im Lauf der Jahre hab ich im Vereinsheim einige Spieler kennengelernt z. B. Klinsmann, Allgöwer, Buchwald, Täuber usw. Auch Jürgen Sundermann hab ich als Trainer kennengelernt. Es gab einen, dem hat man ein Pils versprochen, wenn er ein Tor schießt – das hat er dann auch öfter mal gemacht! J Tränen gab es 1989, als das Vereinsheim abgerissen wurde. Für uns war das mittlerweile das 2. Wohnzimmer geworden.
1987 das Pokal-Finale – ein Traum! Leider war ich nicht in Berlin, aber vom Radio hat mich keiner weggebracht und den Kaltz verfluche ich heute noch! 1988 Aufstieg in die 1. Liga – der 2. Traum, ich konnte es nicht fassen. Vom 14. Bis zum 36. Spieltag Erster! Die Macht vom Fernsehturm! Waaaaahnsinn! Wenn ich mir heute so die Aufstellung angucke, dann würde ich gerne den einen oder anderen klonen. Angefangen bei Kari Laukanen, Bernd Schindler, Demir Hotic, Bernd Grabosch…!
1989 2-0 Sieg gegen die Bayern. Unser Wolle schießt das 1-0! Ich sitze im L-Block und weine!!! WIR gegen die “großen“ Bayern – einfach geilgeilgeil!
Es gab superschöne Stunden beim „blauen Montag“ aufm Volksfest, auch da war sie wieder präsent: die Kickers-Familie, man gehörte dazu. Leider nützte das alles nichts und wir sind abgestiegen. Aber: wir kamen wieder: 1991 - Relegationsspiele gegen St. Pauli und WIR waren wieder da!!! Wieder ein klarer Sieg gegen die Bayern und wieder Abstieg. Trotzdem möchte ich diese Zeit niemals missen.
Die nächsten Jahre: was soll ich sagen!?! Abstieg in die RL, Aufstieg 2. Liga, Abstieg RL und nun die 3. Liga und ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Während ich hier diese Zeilen schreibe, träume ich von alten Zeiten, denke an die „goldenen Jahre“ meiner Blauen und bin unendlich traurig, zu sehen, was da passiert ist. Ich hoffe und wünsche mir, daß diese geile Zeit igendwann einmal wieder kommt. Daß meine Blauen irgendwann mal wieder die „Macht vom Fernsehturm“ sind. Ich könnte nun noch stundenlang weiterschreiben und jedes einzelne Jahr Revue passieren lassen, aber das würde dann wohl alles sprengen…
Ich hoffe, daß Die „Sportstadt Stuttgart“ endlich aufwacht und uns nicht hängen lässt…
Meinem (im letzten Jahr verstorbenen) Dad werde ich ewig dankbar sein, daß er mich damals im Jahr 1975 mitgenommen hat auf Degerlochs Höhen und ich hoffe, daß er da oben mit dem ADM die Fäden in die Hand nimmt und das alles schaukelt! Danke Daddy!!!
14. Feb. 2009 um 18:25 Uhr
“Das war so ne Steintribüne/Erdwall mit rotem Dreck drauf”
Von Mauki, Köngen
Mein erstes mal 1982, da war ich 7 Jahre alt. Das Stadion sah noch etwas anders aus wie heute. Die Stehwälle waren noch nicht modernisiert, die Gegentribüne hatte noch kein Dach und da wo das Fanzelt mal stand gab es einen Stahlrohrtribüne.
Damals gab es auch an der Ecke der Hauptribüne unten einen Wurstgrill. Da war dann auch mal der Fanshop drin. Was zuerst da war keine Ahnung.
Ich stand damals mit meinem Vater immer hinter dem unteren Tor (heutiger Gästefanblock). Das war so ne Steintribüne/Erdwall mit rotem Dreck drauf. Wir sind immer rechtzeitig, mindestens über 1 Stunden vorher schon da gewesen um einen guten Platz zu ergattern. Im Winter hat man da als kleiner Bub dann richtig gefroren, aber es war ja wegen den Blauen. Das Kickers-Magazin war A4 und hatte 1 DM gekostet, das gab es dann nicht bei jedem Spiel. Ich hab das aber dann immer nach dem Spiel auf der Haupttribüne aufgesammelt.
Auf jeden Fall war ich dann bei jedem Spiel dabei und erlebte dann auch die Aufstiege in die Bundesliga, die Abstiege, das Pokalfinale und alles was noch danach kam. Es war eine tolle Zeit und die Blauen spielten erfolgreichen und sehenswerten Fußball.
Nach dem zweiten Abstieg in die Regionalliga war es erstmal vorbei. Meine Blauen in der Regionalliga das konnte ich nicht sehen. Ich war dann sehr lange nicht mehr bei den Blauen bis ich vor ca. 5 Jahren durch Zufall mal wieder ein Spiel sah und da war es wieder um micht geschehen. Seit damals bin ich aber wieder bei jedem Spiel im B-Block dabei und so wird es auch bleiben.
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