1905 bezogen die Kickers den ersten geschlossenen Sportplatz Stuttgarts, der bis dahin als Exerzierplatz gedient hatte. Die Einweihung des Kickerssportplatz (später Kickersstadion) erfolgte am 18. Juni 1905 mit einem Wettspiel gegen Phönix Karlsruhe (3:3).

Schon ein Jahr später bekam das Stadion seine erste Tribüne mit damals 100 Sitzplätzen. Im Jahre 1910 wurde die große Tribüne erstellt: dem Anlass angemessen im englischen Holzstil. Es war eine originalgetreue Nachbildung der Tribüne von Arsenal London im Maßstab 1:3!

Am 26.3.1911 erlebte das noch junge Stadion sein erstes, und bis heute einziges A-Länderspiel: Vor 8.000 Zuschauern gegen die Schweiz (6:2) - es war das fünfte Länderspiel der Deutschen überhaupt!

Kickersplatz 1919
Kickersplatz 1919 (Kapazität: 15.000 Zuschauer)

Nach dem ersten Weltkrieg ging man eine grundlegende Erneuerung des in Mitleidenschaft gezogenen Platzes an . Es wurden durch Erdrampen rings um den Platz Unterbringungsmöglichkeiten für etwa 15.000 Zuschauer geschaffen und der Stehplatz zu beiden Seiten der Haupttribüne überdacht. Darüber hinaus wurde eine 110 Meter lange Aschenbahn angelegt und zur rascheren Abfertigung der Zuschauer eine Reihe von Kassenhäuschen errichtet.

1945 wurde die heutige Mercedes-Benz-Arena (damals noch Adolf-Hitler-Kampfbahn) von den Alliierten beschlagnahmt und in Century Stadium umgetauft. So kam es, dass der VfB zunächst seine Spiele in unserem Kickersstadion austragen musste.

1975 schrieb der Kickersplatz ein letztes mal Geschichte. Am 13.Juni wurde der älteste bestehende deutsche Tribünenbau abgerissen - der DFB hatte mit Lizenzentzug gedroht, falls das historische Bauwerk stehen bliebe…

Die alte Holztribüne (bis 1975)

Die alte Holztribüne (bis 1975)

1981 wurde das Stadion erneut umgebaut und die Kapazität wieder auf 15000 Zuschauer erhöht. Unter anderem wurde die heutige Gegengerade errichtet. Diese war wohl als Sitztribüne entworfen worden, da sie relativ flach ist und sehr breite Stufen aufweist. Die alten Hintertorstehwälle (teilweise wegen Baufälligkeit gesperrt) wurden abgerissen und durch eine Holzstehtribünen (Stahlrohr) ersetzt.

Aufgrund des chronischen Geldmangels ging der Kickers-Platz 1988 in städtischen Besitz über und trug von nun an den Namen “Waldaustadion”. Im Jahr darauf wurde das neben dem Stadion gelegene Vereinsheim abgerissen.

1991 stiegen die Kickers in die Bundesliga auf und obwohl der DFB den Kickers 4 Heimspiele für die 1. Bundesliga im heimischen Stadion zugesagt hatte, spielte der Verein die gesamte Saison im ungeliebten Neckarstadion (heute Mercedes-Benz-Arena) und stieg direkt wieder in die 2. Bundesliga ab.

Ab 1995 trugen auch die American Footballer der Stuttgart Scorpions Ihre Spiele im Stadion aus.

1997 wurde das Waldaustadion erneut renoviert. Die Gegengerade wurden mit einem Holzdach ausgestattet und die zwischenzeitlich marode Holzstehtribüne hinter dem West-Tor wie auch die gesperrte Tribüne auf der gegenüberliegenden Seite wurden durch Betonstehtribünen mit einem Fassungsvermögen von jeweils 2.500 Zuschauern ersetzt. Ferner wurde die neben der Haupttribüne errichtete Stahlrohrtribüne entfernt. An ihrer Stelle stand anschließend einige Jahre ein Fanzelt. Am 12. Dezember fand das erste Flutlichtspiel (0:1 gegen den SC Freiburg) statt.

Die neue Haupttribüne (ab 1975)

Ein neuer Rasen verlegte man 2000 im Stadion aufgrund eines Diagonalgefälles von 2 Metern. Am Fuße der Gegengeraden kann man jedoch auch heute noch (oder wieder?) feststellen, dass nach wie vor ein Gefälle besteht.

2001 war das Stadion Austragungsort für das alljährliche Musikfestival MTV HipHop Open, bei dem 13.000 Jugendliche unter dem Fernsehturm zu Livemusik von Künstlern wie LL Cool J, Jan Delay u.a. feierten.

Seit 2004 hört das Stadion auf den Namen “Gazi-Stadion auf der Waldau”.

Das Jahr 2005 war ein ganz besonderes Jahr auf der Waldau. Trugen die Kickers Ihre Heimspiele doch nun mehr seit 100 Jahren auf dem selben Grund und Boden aus. Damit sind die Kickers der Verein mit der ältesten Spielstätte im deutschen Fußball.

Im Jahr 2007 wurde ein Netz über die komplette Gegengerade des Stadion auf der Waldau gespannt, da im Oktober 2006 ein VfB-Anhänger im Pokalspiel der Stuttgarter Kickers gegen Hertha BSC Berlin den Linienrichter mit einem halbvollen Bierbecher traf. Das Spiel wurde abgebrochen und mit 0:2 für Berlin gewertet. Als Strafe gab es für die Kickers 10.000 € Strafe, ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit sowie die 17 monatige Sichtbehinderung der Gegengeraden durch ein Netz.

Am 19.September 2007 spielte die Stuttgarter Hip Hop Band Freundeskreis ihr Abschiedskonzert im Gazi-Stadion auf der Waldau. Unter dem Motto “Abschiedsspiel - Im Kreis von Freunden” (die Bühne stand hierbei im Mittelkreis des Stadions) sang die Band um Frontmann Max Herre auch ein letztes Mal ihr Liebesbekenntnis für Stuttgart “Erste Liebe”.

Am 6. Oktober 2007 wurde auch das Endspiel um den German Bowl (Deutsche Meisterschaft im American Football) zwischen den Braunschweig Lions und den Stuttgart Scorpions erstmalig im Gazi-Stadion ausgetragen.

Am 17. Juli 2008 beschloss der Stuttgarter Gemeinderat, das Stadion für insgesamt 5,4 Millionen Euro umzubauen, um die DFB-Anforderungen an die Spielstätten der 3. Liga zu erfüllen. Die Kapazität wird auf 12.000 Plätze (2000 überdachte Sitz- und 10.000 Stehplätze) steigen. Der Baubeginn soll im Januar 2009 stattfinden, die Fertigstellung ist für Juli 2009 geplant. Mittlerweile wissen wir alle, dass dies nur eine Lüge war.

Einzige Maßnahme zur Einführung der Dritten Liga war die Umrüstung der Haupttribüne auf blaue Schalensitze sowie das Aufstellen von Gefängnis-Containern als provisorische Stadionwache.

Quellen: